Wir haben zehn neue Sorten der Echten Feige (Ficus carica) in unser Sortiment aufgenommen. Darunter sind französische Klassiker, die moderne amerikanische Sorte 'Tena', die kroatische 'Dalmatie' und die alte Sorte 'Brunswick', die in England berühmt wurde. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich im mitteleuropäischen Klima anbauen lassen, im Freiland ebenso wie im Kübel auf der Terrasse.
Im Folgenden finden Sie zu jeder Sorte ein kurzes Porträt, einen übersichtlichen Vergleich und Tipps, welche Sorte zu Ihrem Garten passt.
10 neue Sorten |
8 Sorten mit zwei Ernten |
−17 °C höchste angegebene Frosthärte |
180 g schwerste Sommerfeigen ('Longue d'Août') |
Was alle Sorten gemeinsam haben
Selbstfruchtbarkeit. Alle zehn Sorten sind selbstfruchtbar (parthenokarp): Die Früchte entwickeln sich ohne Bestäubung und ohne Feigenwespe, ein einzelner Baum genügt also für die Ernte.
Eine oder zwei Ernten. Acht Sorten tragen zweimal im Jahr. Die erste, sommerliche Ernte (Breba) reift am vorjährigen Holz, die zweite, herbstliche Haupternte an den neuen Trieben. 'Ronde de Bordeaux' und 'Violette de Solliès' tragen nur einmal, an den neuen Trieben.
Pflanzung und Winterschutz. Für die Pflanzung ins Freiland empfehlen wir kräftige, 2- bis 3-jährige Bäume. Bei den meisten Sorten schützen Sie Stamm und Krone in kälteren Lagen mit Vlies, bis der Stamm einen Durchmesser von 6–7 cm erreicht hat.
Die Sorten im Einzelnen
'Negronne' (Violette de Bordeaux)
Frankreich · kompakter Wuchs · −17 °C
Gilt als eine der geschmacklich besten Feigen der Welt. Schon 1692 beschrieb sie der königliche Gärtner J. B. de la Quintinie, und am Hof Ludwigs XIV. wurde sie zu einem Favoriten. Die Früchte haben eine dunkle Schale, tiefrotes Fruchtfleisch und einen konzentrierten Geschmack mit Noten von roten Beeren, den Züchter mit einem gereiften Rotwein vergleichen. Der Baum bleibt niedrig und kompakt, sein neues Holz reift schnell aus, deshalb verträgt er Frost gut. Die Früchte platzen auch bei Regen nicht.
Gut zu wissen: Lassen Sie die Herbstfeigen nicht am Baum überreif werden, sonst wird die Schale dick und die Früchte beginnen auszutrocknen. Ernten Sie sie, wenn sie weich, aber noch saftig sind. Damit die Herbsternte ausreift, braucht der Baum im September und Oktober volle Sonne.
'Tena'
USA · platzfest · −15 °C
Eine moderne Sorte aus dem Zuchtprogramm der University of California (Riverside), 1975 auf den Markt gebracht. Die Früchte haben eine hellgrüne bis gelbe Schale und mildes, honigsüßes Fruchtfleisch. Besonders ist das geschlossene Auge: Bei Regen dringen weder Feuchtigkeit noch kleine Insekten ein, das Fruchtfleisch beginnt nicht zu gären, und die Früchte sind widerstandsfähig gegen Platzen. Der Baum wächst aufrecht auf 3–4 m, lässt sich leicht durch Schnitt in Form halten, und Stecklinge bewurzeln sich sehr leicht. An heißen Tagen können die Früchte am Baum zu trocknen beginnen, wodurch sie sich auch zum Trocknen eignen.
Gut zu wissen: Junge Bäume brauchen in den ersten Jahren nach der Auspflanzung ins Freiland einen Winterschutz.
'Brunswick'
Herkunft ungeklärt · große Sommerfrüchte · −15 °C
Eine großfrüchtige Sorte, die sich im 18. Jahrhundert in England und danach in ganz Europa verbreitete, weil sie auch in kühlerem Klima zuverlässig reift. Die Sommerfeigen (Breba) wiegen 100–120 g, sind birnenförmig und haben sehr saftiges, honigsüßes Fruchtfleisch mit feinen Beerennoten. Die tief gelappten Blätter lassen den Baum wie einen Zierahorn wirken. Er bleibt niedrig und breit (2,5–3 m hoch, bis zu 3,5 m breit).
Gut zu wissen: Bei uns ist die Sommerernte die sicherste; die Herbsternte braucht einen langen, heißen Sommer. Ideal für den Kübel: Nach dem Laubfall stellen Sie den Baum für den Winter in einen frostfreien Keller oder in die Garage.
'Sultane'
Frankreich (Provence) · feste Schale · −15 °C
Eine französische Sorte mit langer Tradition, die bereits in der Fachliteratur des 19. Jahrhunderts beschrieben wurde. Die Sommerfeigen (60–85 g) haben erdbeerrosa bis rotes Fruchtfleisch mit honigartiger Süße. Die Herbstfeigen sind kleiner, haben aber eine ungewöhnlich feste Schale und vertragen Ernte und Transport gut. Der Baum wächst kräftig und ausladend (3–4 m), bildet einen dichten grünen Sichtschutz und reagiert gut auf den Frühjahrsschnitt.
Gut zu wissen: Reif ist eine Feige, wenn der Fruchthals weich wird, sich die Frucht am Stiel nach unten neigt und beim Pflücken kein weißer Milchsaft mehr austritt.
'Ronde de Bordeaux'
Frankreich · früh · −17 °C · trägt einmal im Jahr
Eine der zuverlässigsten Sorten für das mitteleuropäische Klima. Sie trägt nur einmal im Jahr (keine Sommerernte), doch die Haupternte beginnt schon Anfang August, sodass die Früchte auch in kühleren Lagen vor den ersten Frösten ausreifen. Die kleinen, runden Früchte (35–45 g) haben eine dunkelviolette Schale mit Wachsreif und dichtes, marmeladiges Fruchtfleisch mit Noten von Brombeeren und Johannisbeeren. Sie gehört zu den frosthärtesten Sorten und erholt sich nach Winterschäden schnell.
Gut zu wissen: Der Baum wächst kräftig (3,5–4 m). Geben Sie ihm deshalb genügend Platz und lichten Sie ihn im Frühjahr aus.
'Madeleine des Deux Saisons'
Frankreich (Anjou) · gestreifte Früchte · −15 °C
Eine historische Sorte, die der Überlieferung nach in den königlichen Gärten von Versailles angebaut wurde. Die Sommerfeigen sind groß (100–120 g), mit cremerosa Schale mit goldbrauner Streifung und leuchtend rotem Fruchtfleisch von süßem, frischem Geschmack. Sie reifen ab Anfang August. Die Herbsternte fällt meist reicher aus, die Früchte sind kleiner (70–80 g) und geschmacklich konzentriert. Der Baum wächst aufrecht (2,5–4 m).
Gut zu wissen: Damit der Baum nicht unnötig in die Höhe schießt, entspitzen Sie im Juni die jungen grünen Triebe. Die Krone verzweigt sich, und der Baum steckt mehr Kraft in die Früchte.
'Longue d'Août'
Frankreich · die „Bananenfeige“ · −17 °C
Eine alte französische Sorte mit den größten Sommerfeigen dieses Sortiments: Die langgestreckten Früchte wiegen 120–180 g und haben nach der Reife in der Sonne eine zarte Bananennote. Das Fruchtfleisch ist hellrot, saftig und honigsüß. Die Früchte vertragen Feuchtigkeit gut und platzen oder faulen auch bei längerem Regenwetter nicht. Die Haupternte reift von Mitte August bis September, in warmen Jahren und südlichen Lagen bis Oktober. Ausgewachsene Bäume vertragen Frost bis −17 °C.
Gut zu wissen: Der kräftige, ausladende Baum reagiert gut auf den Sommerschnitt. Wenn Sie im Juni die neuen grünen Triebe auf das vierte bis fünfte Blatt einkürzen, bremsen Sie das Holzwachstum und beschleunigen die Reife der Herbsternte.
'Dorée' (Goutte d'Or)
Frankreich · „Goldtropfen“ · −16 °C
Eine der ältesten französischen Sorten, die der Pomologe Merlet erstmals 1667 beschrieb. Die Sommerernte reift schon Anfang Juli; die Früchte (85–100 g) haben eine goldgelbe Schale und sehr feines, außergewöhnlich süßes Fruchtfleisch. Ein Tropfen dickflüssigen Sirups am Auge der Frucht zeigt die Reife an. Die Herbstfeigen (70–80 g) eignen sich hervorragend zum Trocknen. Der Baum bleibt kompakt (2–3 m) und trägt meist schon im zweiten bis dritten Jahr nach der Pflanzung.
Gut zu wissen: Die Schale ist sehr zart und kann bei zu viel Wasser platzen. Die Früchte sind nicht gut transportfähig und schmecken frisch vom Baum am besten.
'Dalmatie'
Kroatien (Hvar) · Riesenfrüchte · −15 °C
Eine Sorte von der Insel Hvar mit riesigen Früchten: Die Sommerfeigen wiegen 120–150 g, die Herbstfeigen 100–120 g. Das Fruchtfleisch ist tiefrot, dicht und süß; bei voller Reife tritt am Auge ein Tropfen süßen „Honigs“ aus. Ihre wertvollste Eigenschaft ist die Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit: Die Früchte platzen und faulen nicht, wenn es vor der Ernte regnet. Der Baum ist niedrig und wenig verzweigt, mit großen, tief gelappten Blättern, und eignet sich für Kübel und kleine Gärten.
Gut zu wissen: In kühleren Regionen fallen die Sommerfeigen bei Temperaturschwankungen ab. Entfernen Sie sie, wenn sie erbsengroß sind: Die Herbsternte reift dann 1 bis 3 Wochen früher. Überzählige neue Triebe brechen Sie aus.
'Violette de Solliès'
Frankreich (Provence) · g. U. · trägt einmal im Jahr
Eine französische Sorte, die als „Figue de Solliès“ mit der geschützten Ursprungsbezeichnung (g. U.) geschützt ist und für ihren vielschichtigen Geschmack geschätzt wird. Die tropfenförmigen Früchte haben eine dunkelviolette bis schwarze Schale mit Wachsreif und rotes Fruchtfleisch wie Erdbeermarmelade. Nach den Regeln der g. U. müssen sie mindestens 14 °Brix erreichen. Der Geschmack erinnert an Erdbeere, Melone und Rhabarber mit floralen Noten. Sie trägt nur einmal im Jahr, bei uns von September bis Oktober, ist selbstfruchtbar und beginnt 1 bis 2 Jahre nach der Pflanzung zu tragen.
Gut zu wissen: Sie braucht einen geschützten, warmen Standort und mindestens 8 Stunden direkte Sonne pro Tag. In kühleren Regionen ziehen Sie sie im Kübel mit kühler Überwinterung oder unter Glas. Reife Früchte sind sehr weich, essen Sie sie daher frisch direkt nach der Ernte. Gelbe Flecken auf den Blättern junger Pflanzen (ein harmloses Feigenmosaikvirus) verschwinden meist, sobald die Pflanze eingewachsen ist, und beeinträchtigen die Fruchtqualität nicht.
Vorsicht vor Sortenverwechslungen
'Tena'. Jahrelang wurde diese Sorte irrtümlich unter dem Namen 'White Marseilles' vermehrt und verkauft. Die echte 'Tena' erkennen Sie an den Blättern mit fünf langen Lappen und am rosafarbenen Fruchtfleisch.
'Dalmatie'. Unter diesem Namen werden zwei verschiedene Typen verkauft, einer mit grün-violetten und einer mit rein grünen Früchten. Unsere Beschreibung gilt für die echte, grünfrüchtige Sorte, die der Botaniker Trabut 1904 beschrieben hat.
Frosthärte der Sorten
Ein Vergleich der Frosthärte ausgewachsener, gut eingewurzelter Bäume nach den Angaben zu den einzelnen Sorten.
| 'Ronde de Bordeaux' |
−17 °C |
| 'Madeleine des Deux Saisons' |
−15 °C |
| 'Violette de Solliès' |
−15 bis −17 °C (kurzzeitig) |
Maßstab: 0 bis −20 °C. Die tatsächliche Frosthärte hängt von Standort, Winterverlauf und Winterschutz ab.
← Seitlich wischen →
Die Sorten im Überblick
| Sorte |
Herkunft |
Ernten pro Jahr |
Sommerernte (Breba) |
Herbst-Haupternte |
Frosthärte |
Wuchshöhe |
| 'Negronne' |
Frankreich |
2 |
ab Anfang Juli, ca. 50 g |
Mitte Aug. bis Okt., 35–45 g |
−17 °C |
2,5–3 m |
| 'Tena' |
USA |
2 |
Juli, ca. 50 g |
Ende Aug. bis Okt., 40–45 g |
−15 °C |
3–4 m |
| 'Brunswick' |
ungeklärt |
2 |
ab Mitte Juli, 100–120 g |
Ende Aug. bis Sept., ca. 80 g |
−15 °C |
2,5–3 m |
| 'Sultane' |
Frankreich |
2 |
ab Ende Juli, 60–85 g |
Mitte Aug. bis Sept./Okt., 40–60 g |
−15 °C |
3–4 m |
| 'Ronde de Bordeaux' |
Frankreich |
1 |
– |
Anfang Aug. bis Sept., 35–45 g |
−17 °C |
3,5–4 m |
| 'Madeleine des Deux Saisons' |
Frankreich |
2 |
ab Anfang Aug., 100–120 g |
Mitte Sept. bis Okt., 70–80 g |
−15 °C |
2,5–4 m |
| 'Longue d'Août' |
Frankreich |
2 |
Juli, 120–180 g |
Mitte Aug. bis Sept., 60–80 g |
−17 °C |
2,5–3 m |
| 'Dorée' |
Frankreich |
2 |
ab Anfang Juli, 85–100 g |
Mitte Aug. bis Okt., 70–80 g |
−16 °C |
2–3 m |
| 'Dalmatie' |
Kroatien |
2 |
120–150 g |
100–120 g |
−15 °C |
nicht angegeben |
| 'Violette de Solliès' |
Frankreich |
1 |
– |
Sept.–Okt., Durchmesser mind. 40 mm |
−15 bis −17 °C (kurzzeitig) |
nicht angegeben |
← Tabelle seitlich wischen →
Die Angaben gelten für ausgewachsene, gut eingewurzelte Bäume. Ein Strich bedeutet, dass die Sorte keine Sommerernte bildet. Wo kein Zeitraum oder keine Höhe genannt ist, liegen uns keine Daten vor.
Anbautipp: So erkennen Sie eine reife Feige
Feigen reifen nach der Ernte nicht nach, ernten Sie sie daher erst bei voller Reife. Eine reife Frucht ist weich, der Fruchthals gibt nach, die Frucht neigt sich am Stiel nach unten, und es tritt kein weißer Milchsaft aus. Bei 'Dorée' und 'Dalmatie' zeigt zusätzlich ein Siruptropfen am Auge der Frucht die Reife an.
Welche Sorte passt zu Ihnen
|
Für Kübel und kleine Gärten: 'Negronne', 'Brunswick', 'Dorée' und 'Dalmatie' wachsen niedrig und kompakt. |
|
Für kühlere Lagen: 'Ronde de Bordeaux' reift ab Anfang August, 'Dorée' liefert Sommerfeigen schon Anfang Juli, und 'Negronne' verträgt Frost gut. |
|
Braucht mehr Wärme: 'Violette de Solliès' verlangt einen warmen Standort und mindestens 8 Stunden Sonne pro Tag, die Herbsternte von 'Brunswick' einen langen, heißen Sommer, und bei der Haupternte von 'Dalmatie' müssen in kühlen Regionen die Sommerfeigen entfernt werden. |
← Seitlich wischen →
|
Neue Feigensorten in unserem Shop
Wählen Sie aus zehn Feigensorten, von frühen, frostharten bis zu großfrüchtigen Sorten für den Kübel. Stöbern Sie im Sortiment und finden Sie die passende Feige für Ihren Garten oder Ihre Terrasse.
Zum Shop
|
Besuchen Sie uns auf Facebook
Tauschen Sie Anbauerfahrungen aus, stellen Sie Fragen zu Sorten und diskutieren Sie auf unserer Facebook-Seite mit anderen Obstfreunden und Experten. So erfahren Sie neue Artikel als Erste.
Zur Facebook-Seite
|