Süße Sauerkirschen auch für kleine Gärten

Dessert- und Kompaktsorten aus Osteuropa: Früchte, die man direkt vom Baum nascht, und eine Ernte ohne Leiter

Beim Wort „Sauerkirsche“ denken die meisten an einen herb-sauren Geschmack, bei dem sich unwillkürlich das Gesicht verzieht – und an einen hohen Baum, an den man zur Ernte eine Leiter stellen muss. Sauerkirschen gelten deshalb traditionell als Verarbeitungsobst – für Kompott, Marmelade, Kuchen oder Likör – und im kleinen Garten scheint oft gar kein Platz für sie zu sein.

Züchter aus Russland, der Ukraine, Belarus und Litauen haben jedoch gezeigt, dass es auch anders geht. Entstanden sind Dessertsorten mit hohem Zuckergehalt und milder Säure, die Sie direkt vom Baum genießen können, sowie schwachwüchsige Sorten, die eher an einen kompakten Strauch oder ein kleines Bäumchen mit hängenden Zweigen erinnern. Und manche von ihnen vereinen beides.

In diesem Artikel verbinden wir deshalb zwei Blickwinkel auf die Sauerkirsche – Geschmack und Platz. Im ersten Teil stellen wir die Sorten mit den besten Verkostungsnoten vor, im zweiten die Sorten für kleine Gärten und zum Schluss diejenigen, die beides können.

12,77 %
Zuckergehalt der Früchte von 'Desertnaya Morozovoi'
4,8 von 5
höchste Verkostungsnote (drei Sorten)
31,5 kg
Ertrag eines einzigen Baumes der Sorte 'Milavica'
2,0–2,5 m
Wuchshöhe der strauchartigen Sorte 'Molodyozhnaya'

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Teil 1: Dessert-Sauerkirschen, die süßer sind, als Sie erwarten

Dessertsorten unterscheiden sich von gewöhnlichen Sauerkirschen vor allem durch das Verhältnis von Zucker zu Säure. Mehr Zucker und weniger Säure machen die Sauerkirsche zu einer Frucht, die auch ohne weitere Verarbeitung schmeckt. Die folgenden Sorten erreichten bei professionellen Verkostungen auf einer Fünf-Punkte-Skala Ergebnisse nahe am Maximum.

Die Königin der Süße: 'Desertnaya Morozovoi'

Schon der Name dieser russischen Sorte – „desertnaya“ bedeutet „Dessert-“ – verrät, wofür sie gezüchtet wurde. Sie entstand am Forschungsinstitut I. W. Mitschurin, und ihre Früchte reifen sehr früh, bereits Mitte Juni.

Während gewöhnliche Sauerkirschen deutlich säuerlich sind, enthält 'Desertnaya Morozovoi' bis zu 12,77 % Zucker und nur 0,90 % Säure. Das Ergebnis ist ein weiches, zartes und sehr saftiges Fruchtfleisch mit ausgezeichnetem Dessertgeschmack, das die Verkoster mit 4,6 von 5 Punkten bewerteten. Die großen roten Früchte (bis 5 g) landen oft gar nicht erst im Einmachglas – sie werden direkt unter dem Baum gegessen.

Erfrischender Riese mit Süßkirschenblut: 'Shalunya'

Die ukrainische Sorte 'Shalunya' gilt als Kreuzung aus Sauer- und Süßkirsche und vereint daher Eigenschaften beider Arten. Für eine Sauerkirsche sind ihre Früchte außergewöhnlich groß – sie wiegen 5 bis 8 Gramm. In der zweiten Junihälfte reifen sie zu einer dunkelroten bis fast schwarzen Farbe aus.

Das Fruchtfleisch ist zart und saftig, der Geschmack dessertartig, süßsauer und ausgesprochen erfrischend. Mit 10,4 % Zucker und nur 0,94 % Säure erhielt sie bei der Verkostung beinahe die Bestnote: 4,8 von 5 Punkten.

Die Champions mit 4,8 von 5 Punkten

Eine Note von 4,8 von 5 bei professionellen Verkostungen ist für eine Sauerkirsche ein herausragendes Ergebnis. Neben 'Shalunya' haben sie noch zwei weitere Sorten erreicht, die eine ausgewogene Verbindung von Süße und typischer Sauerkirschfrische bieten.

'Pamyati Enikeeva'

Eine russische Sorte, die Ende Juni große (4,6–4,7 g), breit herzförmige, dunkelrote Früchte liefert. Das Fruchtfleisch ist mittelfest und enthält 10 % Zucker. Der Geschmack ist ausgesprochen dessertartig – süß, ergänzt durch eine angenehme, dezente Säure, die diese Kirsche zur idealen Sommererfrischung macht.

'Milavica'

Eine der neuesten belarussischen Sorten, registriert im Jahr 2021. Sie reift später, Mitte Juli. Die tief dunkelroten Früchte haben ein zartes, saftiges Fruchtfleisch mit sehr angenehmem säuerlich-süßem Geschmack. Auf diese Sorte kommen wir im zweiten Teil noch einmal zurück – sie zählt nämlich auch zu den ertragreichsten schwachwüchsigen Sauerkirschen.

Verkostungsnoten der Dessertsorten

'Shalunya' 4,8 Punkte
'Pamyati Enikeeva' 4,8 Punkte
'Milavica' 4,8 Punkte
'Desertnaya Morozovoi' 4,6 Punkte

Bewertung auf einer Fünf-Punkte-Skala; ein voller Balken entspricht dem Maximum von 5 Punkten.

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Die Dessertsorten im Überblick

Sorte Herkunft Reifezeit Fruchtgewicht Zucker Säure Verkostung
'Desertnaya Morozovoi' Russland Mitte Juni bis 5 g 12,77 % 0,90 % 4,6 / 5
'Shalunya' Ukraine zweite Junihälfte 5–8 g 10,4 % 0,94 % 4,8 / 5
'Pamyati Enikeeva' Russland Ende Juni 4,6–4,7 g 10 % nicht angegeben 4,8 / 5
'Milavica' Belarus Mitte Juli nicht angegeben nicht angegeben nicht angegeben 4,8 / 5

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Feinschmecker-Spezialitäten: ungewöhnliche Farben und Aromen

Manche Sorten überzeugen weniger durch Zahlen als durch ihre sensorischen Eigenschaften – die Farbe des Fruchtfleisches, den Duft oder den Nachgeschmack. Genaue Verkostungsnoten nennen wir hier nicht, ihr Geschmack wird jedoch als ausgezeichnet bis sehr gut beschrieben.

'Haritonovskaja' – eine russische Sorte, die mit Aussehen und Geschmack gleichermaßen überrascht. In voller Reife ist die Schale fast schwarz, das Fruchtfleisch dagegen ungewöhnlich orange. Der Geschmack ist ausgezeichnet und süßsauer; das Besondere ist ein ausgeprägter Süßkirschen-Nachgeschmack.

'Notė' und 'Vytėnų žvaigždė' – litauische Sorten für alle, die Wert auf duftendes Obst legen. Beide haben ein festes, dunkelrotes Fruchtfleisch und einen ausgezeichneten süßsauren Geschmack mit einem ausgeprägten, verlockenden Aroma.

'Studencheskaya' – eine russische Sorte für Liebhaber dunkler Früchte, mit tief bordeauxroten bis schwarzen Kirschen. Das Fruchtfleisch ist sehr saftig, der Geschmack wird als sehr gut bewertet – süß mit angenehmer Säure.

Teil 2: Große Ernte ohne Leiter – niedrige und strauchartige Sauerkirschen

Viele Hobbygärtner verzichten auf eigene Sauerkirschen, weil sie annehmen, der Baum nehme den halben Garten ein und die Ernte gehe nicht ohne Balancieren auf der Leiter. Die folgenden Sorten sind jedoch schwachwüchsig, haben eine niedrige oder hängende Krone, und den Großteil der Früchte pflücken Sie bequem vom Boden aus. Trotz ihrer bescheidenen Größe können sie mit einer reichen Ernte überraschen.

Der Champion für kleine Flächen: die strauchartige 'Molodyozhnaya'

Die russische Sorte 'Molodyozhnaya' ist ausgesprochen schwachwüchsig und wirkt eher wie ein Strauch als wie ein klassischer Baum. Sie wird nur 2,0 bis 2,5 Meter hoch. Ihre Krone ist ausladend, mitteldicht und – für den Gärtner am wichtigsten – hängend. Die tief hängenden Zweige erleichtern die Ernte erheblich.

Für Besitzer kleiner Gärten hat sie noch einen großen Vorteil: Sie ist selbstfruchtbar. Für eine regelmäßige Ernte von 10 bis 12 kg großer, dunkel bordeauxroter Früchte genügt also ein einziger Strauch.

Die Eleganz hängender Zweige

Eine hängende Krone (Trauerform) ist nicht nur optisch reizvoll, sondern auch praktisch, denn das Fruchtholz bleibt in Reichweite. In dieser Kategorie ragen zwei Sorten heraus.

'Prevoshodnaja Kolesnikovoi'

Eine russische Sorte mit mittelstarkem, insgesamt aber niedrigem Wuchs, die eine Höhe von 2,5 Metern nicht überschreitet. Ihre kugelige, hängende Krone ist oft regelrecht mit Früchten übersät. Trotz der geringeren Größe ist sie äußerst ertragreich – durchschnittlich 113,4 dt/ha, maximal sogar 203,4 dt/ha. Die Früchte sind groß und haben einen ausgezeichneten süßsauren Geschmack.

'Vytėnų žvaigždė'

Eine litauische Sorte mit interessanter Wuchsdynamik. Junge Bäume wachsen mittelstark, doch sobald der Baum in den Ertrag kommt (bereits im 3. Jahr), schwächt sich sein Wuchs ab. Er bildet eine kugelige Krone mit den typischen hängenden Zweigen. Da die Sorte selbstfruchtbar ist, eignet sie sich gut als einzelner Baum auf kleiner Fläche.

Klein im Wuchs, groß im Ertrag: 'Milavica' und 'Notė'

Diese beiden schwachwüchsigen Sorten stecken ihre Energie eher in die Früchte als in die Holzbildung.

'Milavica'

Die belarussische Neuheit ist ausgesprochen schwachwüchsig, wächst dabei aber schnell und bildet eine mitteldichte, kugelige Krone. Was sie an Höhe spart, gibt sie im Ertrag zurück – ein einziger Baum kann bis zu 31,5 kg tief dunkelrote Früchte mit einer Verkostungsnote von 4,8 von 5 liefern. Für eine solche Ernte braucht sie allerdings eine Befruchtersorte in der Nähe.

'Notė'

Eine litauische Sorte mit niedrigem, schwachem bis mittelstarkem Wuchs und dichter, kugeliger Krone. Sie ist selbstfruchtbar, trägt jedes Jahr und ihre Früchte haben einen ausgezeichneten aromatischen Geschmack.

Der goldene Mittelweg: kompakte Bäume bis 3 Meter

Wenn Sie ein Bäumchen nicht stört, das etwas höher als ein Strauch ist, aber dennoch in gut handhabbaren Maßen bleibt, kommen diese beiden russischen Sorten infrage.

'Haritonovskaja'

Ein Baum mit mittelstarkem, eher niedrigem Wuchs, der 2 bis 3 Meter hoch wird und eine ordentliche, kugelige Krone bildet. Ein ausgewachsener Baum belohnt Sie mit bis zu 20 kg großer Früchte mit ungewöhnlich orangefarbenem Fruchtfleisch.

'Bulatnikovskaya'

Eine zuverlässige selbstfruchtbare Sorte, die 2,5–3,0 m hoch wird. Sie hat eine leicht aufrechte, kugelige Krone und bringt einen stabilen Ertrag von 10–12 kg pro Baum.

Die Kompaktsorten im Überblick

Sorte Höhe und Wuchs Krone Befruchtung Ertrag
'Molodyozhnaya' 2,0–2,5 m, strauchartig ausladend, hängend selbstfruchtbar 10–12 kg pro Baum
'Prevoshodnaja Kolesnikovoi' bis 2,5 m kugelig, hängend nicht angegeben Ø 113,4 dt/ha (max. 203,4 dt/ha)
'Vytėnų žvaigždė' Wuchs schwächt sich ab dem 3. Jahr ab kugelig, hängend selbstfruchtbar nicht angegeben
'Milavica' schwachwüchsig kugelig, mitteldicht braucht Befruchter bis 31,5 kg pro Baum
'Notė' niedrig, schwach bis mittelstark kugelig, dicht selbstfruchtbar trägt jährlich
'Haritonovskaja' 2–3 m kugelig nicht angegeben bis 20 kg pro Baum
'Bulatnikovskaya' 2,5–3,0 m leicht aufrecht, kugelig selbstfruchtbar 10–12 kg pro Baum

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iGut zu wissen

Die Baumhöhe hängt nicht nur von der Sorte ab. Die endgültige Wuchsgröße wird auch von der Unterlage, auf die die Sorte veredelt ist, von der Bodenqualität und vom Schnitt beeinflusst. Betrachten Sie die angegebenen Werte daher als Richtwerte.

Erträge in dt/ha (Dezitonnen je Hektar) beziehen sich auf flächige Pflanzungen, nicht auf einen Einzelbaum; 1 dt = 100 kg, 113,4 dt/ha entsprechen also 11,34 Tonnen je Hektar.

Befruchtung auf einen Blick: Genügt ein Baum?

Selbstfruchtbar – ein einzelner Baum genügt: 'Molodyozhnaya', 'Vytėnų žvaigždė', 'Notė', 'Bulatnikovskaya'
Braucht eine Befruchtersorte: 'Milavica'
Befruchtung vor dem Kauf prüfen: 'Desertnaya Morozovoi', 'Shalunya', 'Pamyati Enikeeva', 'Prevoshodnaja Kolesnikovoi', 'Haritonovskaja', 'Studencheskaya'

!Achten Sie auf die Befruchtung

Wenn Sie sich für 'Milavica' entscheiden, sollten Sie bedenken, dass sie ohne geeigneten Befruchter in der Nähe keinen hohen Ertrag bringt. Als Befruchter eignet sich eine andere Sauerkirschsorte, die zur gleichen Zeit blüht – gern auch im Nachbargarten. Wenn Sie nur Platz für einen Baum haben und in der Umgebung keine Sauerkirschen wachsen, greifen Sie besser zu einer selbstfruchtbaren Sorte.

Teil 3: Süß und kompakt – Sorten, die beides können

Wenn Sie einen kleinen Garten haben und Sauerkirschen zugleich frisch genießen möchten, lohnt sich ein Blick auf die Sorten, die in beiden Teilen dieses Artikels vorkommen:

  • 'Milavica' – Verkostungsnote 4,8 von 5, schwacher Wuchs und bis zu 31,5 kg Früchte pro Baum; sie braucht allerdings einen Befruchter.
  • 'Haritonovskaja' – ausgezeichneter süßsaurer Geschmack mit Süßkirschen-Nachgeschmack und orangefarbenem Fruchtfleisch, 2 bis 3 Meter Höhe und bis zu 20 kg Früchte pro Baum.
  • 'Notė' und 'Vytėnų žvaigždė' – aromatische, süßsaure Früchte, niedriger Wuchs oder hängende Krone und dazu Selbstfruchtbarkeit.
Dessertgeschmack und kompakter Wuchs schließen einander nicht aus – auch ein niedriger Baum, den Sie vom Boden aus abernten, kann süße und aromatische Sauerkirschen tragen.

Fazit

Der Anbau von Sauerkirschen muss sich nicht mehr nur um Wintervorräte drehen, und er erfordert auch kein großes Grundstück. Dank der Arbeit der Züchter können Sie heute Bäume pflanzen, die Dessertobst liefern und trotzdem in einen kleinen Garten passen.

Ob Sie sich für 'Desertnaya Morozovoi' mit dem höchsten Zuckergehalt, die großfrüchtige und erfrischende 'Shalunya', die strauchartige, selbstfruchtbare 'Molodyozhnaya' oder die außergewöhnlich ertragreiche 'Milavica' entscheiden – Sie erhalten ein Gehölz, das zu Ihrem Geschmack und zu Ihrem Platzangebot passt. Bei niedrigen Bäumen erledigen Sie Schnitt und eventuellen Pflanzenschutz vom Boden aus, und die Ernte wird von der Leiterakrobatik zu einem entspannten Erlebnis, bei dem auch Kinder unbesorgt mithelfen können.

Rechnen Sie nur mit einem: Die Körbe werden sich langsam füllen. Ein guter Teil der süßen, saftigen und aromatischen Früchte landet nämlich direkt im Mund – und genau dafür wurden diese Kirschen gezüchtet.


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