Hybridbeeren · Rubus-Hybriden

Loganbeere und Boysenbeere

Die erste Kreuzung aus Himbeere und Brombeere und ihr berühmter Nachkomme – Geschichte, Vergleich und Anbau

Himbeer-Brombeer-Hybriden vereinen die Vorzüge beider Elternarten. Zwei von ihnen nehmen eine besondere Stellung ein. Die 'Loganberry', auf Deutsch Loganbeere, ist die erste bedeutende Kreuzung zwischen Brombeere und Himbeere und wurde zur genetischen Grundlage vieler späterer Sorten. Eine davon ist die 'Boysenberry', die Boysenbeere, die als eine der schmackhaftesten Beeren überhaupt gilt.

Für den Erwerbsanbau sind beide Sorten heute weniger attraktiv – die Loganbeere wegen der aufwendigen Ernte, die Boysenbeere wegen ihrer sehr weichen, kaum transportfähigen Früchte. Gerade deshalb gehören sie in den Hausgarten, wo sie ihre Stärken voll ausspielen können. Hier finden Sie ihre Geschichte, einen übersichtlichen Vergleich und praktische Anbautipps.

1881Entstehung der Loganbeere 1932erste Boysenbeeren im Verkauf 7 – 8 kgErtrag der Loganbeere pro Strauch ~8 gFruchtgewicht der Boysenbeere

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Stammbaum und Geschichte zweier Legenden

Die Loganbeere (Rubus × loganobaccus) ist eine Artkreuzung (hexaploid) zwischen der nordamerikanischen kriechenden Brombeere 'Aughinbaugh' (Rubus ursinus) und der europäischen roten Himbeere 'Red Antwerp' (Rubus idaeus). Die Boysenbeere hat eine noch komplexere Abstammung – sie vereint das Erbgut der Europäischen Himbeere (Rubus idaeus), der Europäischen Brombeere (Rubus fruticosus), der amerikanischen kriechenden Brombeere (Rubus aboriginum) und der Loganbeere selbst.

1881 – Ein Zufallsfund in Santa Cruz

Der amerikanische Richter und leidenschaftliche Gärtner James Harvey Logan pflanzte im kalifornischen Santa Cruz Brombeeren neben eine alte Himbeersorte. Die Pflanzen blühten zur gleichen Zeit und bestäubten sich gegenseitig. Aus Neugier säte Logan die Samen ihrer Früchte aus – und von fünfzig Sämlingen zeichnete sich einer durch außergewöhnliche Wuchskraft und Größe aus. So entstand die 'Loganberry'.

Anfang des 20. Jahrhunderts – Heilmittel für Seeleute

Überliefert ist, dass Loganbeerensaft dank seines hohen Vitamin-C-Gehalts an Seeleute der britischen Royal Navy ausgegeben wurde, um Skorbut vorzubeugen – ähnlich wie zuvor Limettensaft.

Ende der 1920er-Jahre – Aus dem Unkraut gerettet

Die genaue Herkunft der Boysenbeere ist nicht vollständig geklärt. Benannt ist sie nach dem kalifornischen Pflanzer Rudolph Boysen, der mit ihr experimentierte, seine Farm später jedoch verkaufte und die Pflanzen sich selbst überließ. George M. Darrow vom US-Landwirtschaftsministerium hörte von einer „großen violetten Beere“. Gemeinsam mit dem Beerenexperten Walter Knott fand er auf Boysens ehemaliger Farm zwischen dem Unkraut die letzten kümmerlichen Triebe, die noch überlebt hatten.

1932 – Eine Legende entsteht

Knott verpflanzte die Pflanzen auf seine eigene Farm, päppelte sie auf und begann 1932 mit dem Verkauf der Früchte. Die Kundschaft kam in solchen Scharen wieder, dass aus dem kleinen Verkaufsstand der Familie Knott schließlich der weltbekannte Freizeitpark und die Lebensmittelmarke Knott's Berry Farm hervorgingen.

1933 – Die dornenlose Loganbeere

Logans ursprüngliche Pflanze trug feine, weiche Stacheln, ähnlich wie Himbeeren. 1933 wurde eine dornenlose Mutation entdeckt und stabilisiert, die als 'American Thornless' bekannt ist und heute am häufigsten in Gärten angebaut wird.

1950er- und 1960er-Jahre – Aufstieg und Niedergang der Boysenbeere

In den 1950er-Jahren erreichte der Anbau der Boysenbeere in Kalifornien seinen Höhepunkt und übertraf sogar gewöhnliche Himbeeren und Brombeeren. In den 1960er-Jahren folgte der Niedergang: Die Früchte waren für den Transport zu weich, anfällig für Schimmel und hatten nur eine kurze Saison.

1980er-Jahre – Die dornenlose Boysenbeere und Neuseeland

In Neuseeland wurden dornenlose Mutationen der Boysenbeere gewonnen. Neuseeland ist heute zugleich der weltweit größte Produzent und Exporteur der Sorte, vor allem in Form von Püree und Konfitüre.

Vergleich auf einen Blick

Obwohl die Loganbeere eine der Elternsorten der Boysenbeere ist, verhalten sich die beiden Hybridbeeren im Garten in vielem unterschiedlich:

Merkmal Loganbeere Boysenbeere
HerkunftZufallskreuzung, 1881, Santa Cruzgenaue Herkunft ungeklärt, Früchte im Verkauf seit 1932
Früchtelänglich, erinnern an eine große Brombeeregroß, im Durchschnitt etwa 8 g
Farbe reifer Früchtedunkel weinrot-purpurdunkel weinrot-violett
Samensehr klein und weichmittelgroß
Geschmacksüß-säuerlich, erfrischend, mit weinigem Untertonsüß-säuerlich, voll, mit dem Aroma von Waldhimbeeren und wilden Brombeeren
Widerstandsfähigkeithoch gegenüber Frost und Pilzkrankheitenbei feuchtem Wetter anfällig für Grauschimmel
Standortsonnig, verträgt auch Halbschattendirekte, volle Sonne
Bodennormaler, gut durchlässiger Gartenbodenfruchtbar, lehmig, gut durchlässig, pH 5,6 – 6,5
Ernteallmählich, über etwa 2 Monatesehr weiche Früchte, die sofort verarbeitet werden müssen
Ertrag7 – 8 kg pro ausgewachsenem Strauchhoch bei richtiger Erziehung am Spalier
Lebensdaueretwa 15 Jahre15 – 20 Jahre
Dornenlose Form'American Thornless' (seit 1933)dornenlose Klone (Neuseeland, 1980er-Jahre)

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Die Loganbeere im Detail

Die Pflanze

Im Wuchs ähnelt die Pflanze der Brombeere. Statt aufrechter Ruten bildet sie sehr lange, kriechende und biegsame Triebe, die in einem einzigen Jahr 1,5 bis 2 Meter wachsen können. Der gesamte jährliche Zuwachs aller Triebe eines Strauchs kann 12 bis 15 Meter erreichen.

Jährlicher Rutenzuwachs der Loganbeere

Ein Trieb pro Jahr 1,5 – 2 m
Alle Triebe eines Strauchs pro Jahr 12 – 15 m

Die Balkenlänge entspricht jeweils dem oberen Wert der angegebenen Spanne auf einer Skala von 0 – 15 m.

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Die Loganbeere ist eine sehr langlebige und vitale Pflanze, die am selben Standort bis zu 15 Jahre reich tragen kann.

Früchte und Geschmack

In Form und Größe erinnern die Früchte an eine große, längliche Brombeere, sie sind aber nicht schwarz. Während der Reife sind sie leuchtend rot, in voller Reife nehmen sie eine tiefe, dunkle weinrot-purpurne Farbe an. Ein großer Vorteil gegenüber gewöhnlichen Brombeeren sind die sehr kleinen, weichen Samen, die beim Essen kaum stören.

Der Geschmack vereint das Aroma beider Eltern: angenehm süß-säuerlich, erfrischend, mit einem feinen weinigen Unterton.

Ernte

Eine Besonderheit der Sorte ist die sehr allmähliche Reife über etwa zwei Monate, vom Hochsommer bis in den Herbst. An einer einzigen Rute finden Sie gleichzeitig Blüten sowie grüne, rote und vollreife purpurne Früchte. Zudem sind die Früchte oft unter großen Blättern verborgen – deshalb wird die Loganbeere kaum im Erwerbsanbau kultiviert.

Wann werden Loganbeeren gepflückt?

Dunkel weinrot-purpurne Früchte – reif, jetzt pflücken.
Leuchtend rote Früchte – noch zu sauer, weiter reifen lassen.
Grüne Früchte – unreif, nicht pflücken.

iHervorragender Ertrag

Ein ausgewachsener Strauch liefert pro Saison 7 bis 8 kg Früchte. Schauen Sie bei der Ernte auch unter die Blätter – dort verstecken sich oft die reifsten Früchte.

Die Boysenbeere im Detail

Die Pflanze

Die Pflanze wächst typischerweise kriechend (niederliegend). Statt aufrechter Ruten wie bei der Himbeere bildet sie lange, biegsame Triebe, die am Boden entlangwachsen. Es handelt sich um eine langlebige, mehrjährige Pflanze, die bei richtiger Pflege 15 bis 20 Jahre am selben Standort bleiben kann.

Früchte und Geschmack

Die Frucht ist eine große Sammelsteinfrucht mit einem Durchschnittsgewicht von etwa 8 Gramm. Bei der Reife färbt sie sich tief dunkel weinrot-violett. Die Samen sind mittelgroß. Die Haut ist äußerst dünn und die Früchte sind außergewöhnlich weich – in voller Reife tritt schon bei leichtestem Druck dunkler, stark färbender Saft aus.

Der Geschmack ist der Hauptgrund, diese Sorte anzubauen. Er ist perfekt ausgewogen, süß-säuerlich, mit einem vollen, vielschichtigen Profil, das das Aroma von Waldhimbeeren und wilden Brombeeren vereint.

„Das ist für mich die geschmacklich beste Himbeer-Brombeer-Hybride. Weder Himbeere noch Brombeere dominieren – es ist praktisch eine völlig neue Frucht.“— aus unserer eigenen Anbaupraxis

Ernte und Haltbarkeit

Die größte Schwäche der Sorte hängt eng mit ihrer größten Stärke zusammen. Die dünne Haut und das saftige Fruchtfleisch, denen sie ihren herausragenden Geschmack verdankt, führen auch dazu, dass sich die Früchte nicht lagern lassen. Nach der Ernte verlieren sie innerhalb weniger Tage, oft schon innerhalb von Stunden, an Qualität und beginnen zu gären.

!Sofort essen oder verarbeiten

Reife Boysenbeeren sollten fast unmittelbar nach der Ernte gegessen oder verarbeitet werden. Bei sehr feuchtem Wetter sind die Früchte zudem anfälliger für Pilzkrankheiten, vor allem für Grauschimmel (Botrytis).

iBeide eignen sich hervorragend zur Verarbeitung

Aus beiden Hybridbeeren lassen sich Konfitüren, Sirupe und Kuchen zubereiten. Die Boysenbeere verleiht Eis und Konfitüren eine kräftige dunkle Farbe und ein reiches Aroma, die Loganbeere eignet sich zudem für Obstweine.

Anbau beider Sorten

Standort und Boden

Die Loganbeere ist anspruchsloser – sie verträgt auch Halbschatten, die süßesten Früchte bringt sie jedoch an einem sonnigen Standort in normalem, gut durchlässigem Gartenboden. Die Boysenbeere braucht direkte, volle Sonne und einen fruchtbaren, lehmigen und vor allem gut durchlässigen, leicht sauren Boden (pH 5,6 – 6,5). Zu Beginn der Saison reagiert sie gut auf Stickstoffdüngung, und eine Mulchschicht aus Rinde oder Stroh unterdrückt Unkraut und hält die Feuchtigkeit im Boden.

Stütze und Anbinden

Beide Sorten bilden kriechende Ruten und lassen sich ohne stabile Stütze nicht kultivieren – die Ruten würden am Boden liegen und die Früchte faulen. Meist werden sie an einem Drahtspalier gezogen, an dem die Ruten nach und nach angebunden werden. Die Loganbeere lässt sich auch fächerförmig an einem Zaun oder einer Wand ziehen. Boysenbeeren werden im Abstand von 60 – 75 cm gepflanzt, zwischen den Reihen bleiben 2,4 bis 3 Meter frei.

Schnitt – ein zweijähriger Zyklus

Wie die meisten Brombeeren tragen beide Hybridbeeren am einjährigen Holz, also an Ruten, die im Vorjahr gewachsen sind. Der gesamte Zyklus einer Rute dauert damit zwei Jahre:

1. Jahr – Wachstum

Die neuen Ruten wachsen kräftig. Binden Sie sie nach und nach an die Stütze, damit sie in der folgenden Saison tragen können.

2. Jahr – Ertrag

Die Ruten aus dem Vorjahr blühen und bringen die Ernte.

Herbst nach der Ernte – Schnitt

Abgetragene Ruten sterben ab. Schneiden Sie sie direkt am Boden ab, um Krankheiten vorzubeugen und Platz für die jungen Ruten zu schaffen.

!Achtung bei bestachelten Trieben

Die ursprünglichen Formen beider Sorten sind bestachelt, daher lohnt sich die Wahl dornenloser Pflanzen. Dornenlose Boysenbeeren entstehen jedoch häufig durch Knospenmutationen und treiben mitunter bestachelte Triebe aus, die laufend entfernt werden sollten.

Bestäubung

Die Blüten der Boysenbeere sind selbstfruchtbar, sie braucht also keine Befruchtersorte. Für eine vollständige Bestäubung und gleichmäßig geformte Früchte sind Bienen und Hummeln dennoch wichtig.

Welche soll es sein?

Loganbeere – robust und ertragreich

Vorteile

  • Hohe Widerstandsfähigkeit gegen Frost und Krankheiten – sehr pflegeleicht.
  • Lange Erntezeit, ideal zum laufenden Naschen im Hausgarten.
  • Hervorragender Ertrag – bis zu 8 kg pro Strauch.
  • Kleine, weiche Samen, ideal zum Frischverzehr und zur Verarbeitung.

Nachteile

  • Die allmähliche Reife und die unter Blättern verborgenen Früchte erschweren die Ernte.
  • Die Früchte dürfen erst dunkelpurpur gepflückt werden – rote sind zu sauer.
  • Der starke Wuchs erfordert eine stabile Stütze und jährlichen Schnitt.
Boysenbeere – geschmackliche Spitzenklasse

Vorteile

  • Herausragender, vielschichtiger süß-säuerlicher Geschmack – gilt als eine der schmackhaftesten Beeren überhaupt.
  • Große, außergewöhnlich saftige Früchte.
  • Hoher Ertrag bei richtiger Erziehung am Spalier.
  • Lange Lebensdauer der Pflanzung – 15 bis 20 Jahre.

Nachteile

  • Sehr weiche Früchte, die sich nicht lagern lassen.
  • Bei feuchtem Wetter sind die Früchte anfälliger für Grauschimmel.
  • Der kriechende Wuchs erfordert Stütze, Anbinden und regelmäßigen Schnitt.

Wenn Sie eine zuverlässige Ernte ohne großen Pflanzenschutzaufwand wünschen und gern nach und nach pflücken, greifen Sie zur Loganbeere. Steht der Geschmack an erster Stelle und können Sie die Früchte direkt nach der Ernte essen oder verarbeiten, probieren Sie die Boysenbeere. Da beide dieselbe Stütze und denselben Schnitt brauchen, können Sie sie problemlos nebeneinander anbauen und ihren Geschmack im eigenen Garten vergleichen.


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