Für die meisten Gärtner bedeutet eine Himbeere eine Reihe hoher, überhängender und stacheliger Ruten, die an einem Drahtgerüst angebunden und jedes Jahr zurückgeschnitten werden müssen. Die Züchtung der letzten zwei Jahrzehnte hat jedoch Sorten hervorgebracht, die mit diesem Bild wenig gemeinsam haben. Zwergwüchsige Himbeeren für Gefäße, eine Himbeere, die als Bäumchen mit festem Stamm wächst, oder eine schwarzfrüchtige Sorte für die maschinelle Ernte – jede von ihnen löst ein anderes gärtnerisches Problem.
In dieser Übersicht stellen wir Ihnen vier Sorten vor, die vier unterschiedliche Richtungen der modernen Himbeerzüchtung vertreten: 'Ruby Beauty®', 'Selena', 'Groovy®' und 'Raspberry Tower'. Alle vier sind sortenschutzrechtlich geschützt.
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0,5–1 m
Höhe von 'Ruby Beauty®'
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13,7 %
Brix der Früchte von 'Selena'
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−35 °C
Winterhärte von 'Groovy®'
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200 cm
Höhe des „Himbeerbaums“ 'Raspberry Tower'
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Vier Sorten, vier unterschiedliche Lösungen
'Ruby Beauty®' – die erste völlig stachellose Zwerghimbeere
Die Sorte entstand im gemeinsamen Züchtungsprogramm des neuseeländischen Instituts Plant & Food Research und der amerikanischen Northwest Plant Company. Sie wurde im Jahr 2001 unter der Bezeichnung 'NR7' selektiert, und zwar aus einer Kreuzung der nicht patentierten neuseeländischen Selektion HR101 (Mutterpflanze) mit der bekannten Sorte 'Willamette' (Vaterpflanze). In Europa und Großbritannien wird sie als 'Ruby Beauty®' verkauft, in den USA und in Kanada ist sie als 'Raspberry Shortcake®' bekannt. Lizenzinhaber ist die Firma Pacific Berries LLC.
Strauch und Wuchs: der Zwergwuchs ist genetisch bedingt und stabil. Die Pflanze wächst langsam und erreicht nur eine Höhe von 0,5 bis 1 Meter, in Versuchen meist 0,5–0,7 m. Der Habitus ist kompakt und dicht, die Ruten sind gerade und aufrecht, sodass der Strauch weder ein Gerüst noch ein Anbinden benötigt. Die Internodien sind sehr kurz, typischerweise 10–20 mm, und die Ruten sind völlig stachellos. Eine Pflanze bildet zahlreiche Jungruten, in der Regel 20 bis 50.
Früchte: mittelgroß bis groß, mit einem durchschnittlichen Gewicht von 3,9–4,7 g, was mehr ist als bei manchen klassischen Handelssorten wie zum Beispiel 'Meeker'. Die Form ist oval bis rund, die Farbe hellrot. Im Vergleich zu modernen, auf Transport gezüchteten Sorten ist das Fruchtfleisch weicher. Der Geschmack ist sehr aromatisch, mit einem niedrigeren Zuckergehalt von 8–9 % Brix und einer mittleren Säure von 2,1–2,2 %.
Reife und Ertrag: eine einmaltragende Sorte, die am vorjährigen Holz fruchtet. Sie reift mittelfrüh, meist an der Wende von Juli zu August, die Erntezeit dauert etwa 30–32 Tage. Wegen des Zwergwuchses fällt der Ertrag je Pflanze naturgemäß geringer aus – in Versuchen etwa 0,6–0,8 kg, nach Angaben des Züchters kann ein gut entwickelter Strauch jedoch bis zu 1,5 kg pro Saison liefern.
Winterhärte und Gesundheit: die Winterhärte ist durchschnittlich und wird für die USDA-Zone 7a angegeben, also bis etwa −17 °C. In den kühleren Lagen Mitteleuropas benötigt die Sorte daher einen Winterschutz, oder die Gefäße sollten in einen kühlen, frostfreien Raum gestellt werden. Sie zeigt Resistenz gegen das Himbeerbuschzwergvirus (RBDV), ist jedoch anfällig für Milben.
'Selena' – eine schwarze Himbeere für den Erwerbsanbau
Die Schwarze Himbeere (Rubus occidentalis) ist in europäischen Gärten noch wenig verbreitet, obwohl es sich um eine botanisch eigenständige Art mit eigenem Geschmack und eigener Zusammensetzung handelt. Die Sorte 'Selena' stammt aus Polen, wo sie im Rahmen eines aus POIR-Mitteln kofinanzierten Projekts gezüchtet wurde. Geprüft wurde sie unter der Klonnummer NR 1825501; der Sortenschutz wurde beim polnischen Amt COBORU unter der Nummer S 392 angemeldet.
Strauch und Wuchs: der Wuchs ist stark, die Ruten sind fest und steif. Der Aufbau des Strauches und die kleineren Blätter erleichtern die Ernte. Gegenüber älteren Sorten der Schwarzen Himbeere hat 'Selena' einen großen Vorteil – die Ruten tragen nur wenige Stacheln.
Früchte: groß, mit einem durchschnittlichen Gewicht von 2,5 g, sehr glänzend und schön geformt, aus kleinen Steinfrüchtchen zusammengesetzt. Das Fruchtfleisch ist sehr fest. Der Zuckergehalt ist hoch, der Brix-Wert erreicht 13,7 %.
Reife und Ertrag: die Sorte trägt sowohl am vorjährigen als auch am diesjährigen Holz. Die Haupternte an den vorjährigen Ruten reift Anfang bis Mitte Juli, die Ernte an den diesjährigen Ruten beginnt Anfang September zu reifen. Die Ernte konzentriert sich auf einen Zeitraum von etwa fünf Wochen. Der durchschnittliche Ertrag beträgt 2,3 kg je Pflanze.
Ernte und Haltbarkeit: die Sorte ist ausdrücklich für die Ernte mit Vollerntern geeignet. Die Früchte behalten auch nach der maschinellen Ernte eine hohe Nacherntehaltbarkeit, was für die industrielle Verwertung entscheidend ist.
Widerstandsfähigkeit: in den Anbauversuchen zeigte der Klon keine Frostschäden an den Ruten. Er zeichnet sich durch eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit und eingeschränkter Wasserversorgung aus. Die Anfälligkeit für Blattläuse, für das Himbeerbuschzwergvirus (RBDV) sowie für Pilzkrankheiten an Ruten und Wurzeln ist gering.
'Groovy®' – goldenes Laub und Winterhärte bis −35 °C
Diese niederländische Sorte des Züchters Jan de Boer (Vitis-Idaea B.V.) ist innerhalb der Europäischen Union unter der Nummer EU 57353 rechtlich geschützt; eine Vermehrung ohne Lizenz ist untersagt. Herausgeber der Sorte ist das Unternehmen Plantipp / SAPHO.
Strauch und Wuchs: zwergwüchsig und kompakt, mit mittelstarkem Wuchs. Im ausgewachsenen Zustand, also nach etwa zehn Jahren, erreicht sie eine Höhe von 1 bis 1,5 m und eine Breite von 0,75 bis 1 m. Der Habitus ist dicht und buschig, die Ruten sind nahezu stachellos.
Laub: das auffälligste Merkmal der Sorte. Beim Austrieb im Frühjahr sind die Blätter orangegelb, im Sommer gehen sie in ein leuchtendes Gold bis Hellgelbgrün über. Anders als viele andere Pflanzen mit gelbem Laub verbrennen die Blätter von 'Groovy®' in der vollen Sonne nicht.
Früchte: groß, mit einem Durchmesser von 2–3 cm, leuchtend rot und damit ein starker Kontrast zum goldenen Laub. Der Geschmack ist süß, saftig und aromatisch.
Reife und Ertrag: die Sorte gilt in erster Linie als einmaltragende Sommerhimbeere, die an einjährigen Ruten fruchtet. Unter günstigen Bedingungen verlängert sich die Tragzeit jedoch, und es bilden sich Früchte, sobald neue Ruten heranwachsen. Die Ernte läuft von Ende Juni bis in den September. Die Sorte ist ertragreich und trägt bereits im ersten Jahr nach der Pflanzung.
Winterhärte und Standort: die Winterhärte ist außerordentlich hoch, die Sorte übersteht Fröste bis −35 °C ohne Schaden. Sie bevorzugt volle Sonne bis Halbschatten und einen fruchtbaren, humusreichen, feuchten, aber gut durchlässigen Boden.
Schnitt: die Sorte ist ausgesprochen pflegeleicht. Am Ende des Winters oder im zeitigen Frühjahr sollten die abgetragenen, trockenen Ruten bodennah entfernt werden. Für ein optimales Wachstum empfiehlt es sich, 7 bis 10 Jungruten je laufendem Meter stehen zu lassen.
'Raspberry Tower' – eine Himbeere, die wie ein Bäumchen wächst
Diese Sorte, auch unter dem Züchternamen 'Hararasp' bekannt, gehört zur Weißdornblättrigen Himbeere (Rubus crataegifolius), einer anderen botanischen Art als die üblichen europäischen und amerikanischen Himbeeren (Rubus idaeus). Sie stammt aus Japan vom Züchter Toshikhiko Hara und ist rechtlich geschützt.
Strauch und Wuchs: das interessanteste Merkmal der Sorte. Die Pflanze bildet dicke, überwinternde Triebe, die sich zu einem aufrechten Bäumchen mit kräftigem Mittelstamm und einer Krone aus fruchttragenden Zweigen erziehen lassen. Der Wuchs ist kompakt und schmal – die Pflanze erreicht eine Höhe von 175 bis 200 cm und eine Breite von nur 60 bis 100 cm. Dank der festen, steifen Triebe benötigt sie weder ein Gerüst noch ein Anbinden. Die Triebe sind mit kleinen Stacheln besetzt.
Blüte: von April bis Mai, mit weißen Blüten, die für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind.
Früchte: klein, mit einem Durchmesser von etwa 2 cm, kugelig und intensiv rot. Anders als gewöhnliche, oft matte Himbeeren haben die Früchte eine außergewöhnlich glänzende Oberfläche. Der Geschmack ist gut.
Reife und Ertrag: eine einmaltragende Sorte, die am vorjährigen Holz fruchtet. Sie zeichnet sich durch eine frühe Reife und eine sehr lange Erntezeit aus – sie trägt den ganzen Sommer über durchgehend von Juni bis August. Sie trägt reich und regelmäßig jedes Jahr, und dank der baumförmigen Erziehung sind die Früchte gut erreichbar.
Winterhärte und Standort: sie übersteht Fröste bis −25 °C und zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Hitze- und Trockenheitstoleranz aus. Sie ist widerstandsfähig gegen Krankheiten. Sie bevorzugt volle Sonne oder Halbschatten und einen fruchtbaren, gut durchlässigen Boden.
Sortenvergleich
| Sorte |
Art |
Maße |
Früchte |
Erntezeit |
Winterhärte |
Stacheln |
| 'Ruby Beauty®' |
Rubus idaeus |
0,5–1 m |
3,9–4,7 g, hellrot |
Wende Juli/August |
bis −17 °C |
völlig stachellos |
| 'Selena' |
Rubus occidentalis |
starker Wuchs |
2,5 g, schwarz und glänzend |
Juli und September |
keine Frostschäden in Versuchen |
wenige |
| 'Groovy®' |
Rubus idaeus |
1–1,5 m × 0,75–1 m |
2–3 cm, leuchtend rot |
Ende Juni – September |
bis −35 °C |
nahezu stachellos |
| 'Raspberry Tower' |
Rubus crataegifolius |
1,75–2 m × 0,6–1 m |
ca. 2 cm, glänzend rot |
Juni – August |
bis −25 °C |
kleine Stacheln |
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Wertskalen: Platzbedarf und Winterhärte
Bei Sorten für Balkone und kleine Gärten entscheidet vor allem die Breite der Pflanze. 'Raspberry Tower' gehört zu den schmalsten Himbeeren überhaupt – die Krone nimmt nur 60 bis 100 cm ein.
| Breite von 'Raspberry Tower' |
60–100 cm |
| schmale Krone – platzsparend |
breiter Strauch – platzintensiv |
Die Markierung zeigt die Mitte des angegebenen Bereichs (80 cm) auf einer Skala von 0–250 cm, die die Breite üblicher Himbeersträucher und -reihen abdeckt.
Der zweite entscheidende Wert ist die Winterhärte. Der Unterschied zwischen 'Groovy®' und 'Ruby Beauty®' beträgt fast 20 °C – das trennt in der Praxis eine Sorte, die ohne jede Pflege überwintert, von einer, die geschützt werden muss.
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Die Balkenlänge bezieht sich auf den höchsten Wert im Vergleich (−35 °C = 100 %). Für 'Selena' nennen die Quellen keine konkrete Temperatur, sondern nur, dass in den Anbauversuchen keine Frostschäden an den Ruten auftraten; die Sorte ist deshalb im Vergleich nicht enthalten.
Welche Sorte passt zu Ihnen
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Gefäße auf Balkon und Terrasse: 'Ruby Beauty®' und 'Groovy®'. Beide sind genetisch zwergwüchsig, benötigen kein Gerüst, und ihre Ruten sind stachellos oder nahezu stachellos – die Ernte gelingt damit auch Kindern gefahrlos. |
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Verarbeitung und maschinelle Ernte: 'Selena'. Feste Früchte mit hoher Nacherntehaltbarkeit und ein Ertrag von 2,3 kg je Pflanze gehören auf die Plantage und nicht in die Zierpflanzung. |
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Schmale Stellen und essbare Hecken: 'Raspberry Tower'. Eine Breite von unter einem Meter und die baumförmige Erziehung sind ideal entlang von Zaun oder Weg – rechnen Sie jedoch mit stacheligen Trieben und kleineren Früchten. |
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Rauere Lagen mit strengen Wintern ohne Schutz: hier ist 'Ruby Beauty®' nicht geeignet. Ihre Winterhärte von etwa −17 °C erfordert eine Abdeckung oder das Einräumen der Gefäße in einen frostfreien Raum. |
Zwergwüchsige und baumförmige Himbeeren holen das Beerenobst aus dem Nutzgarten auf den Balkon und in das Ziergehölzbeet – ohne dass man auf den Geschmack frisch gepflückter Früchte verzichten müsste.
Praktische Hinweise zur Kultur
Kultur im Gefäß
Zwergsorten haben ein flaches Wurzelsystem und erschöpfen den Wasser- und Nährstoffvorrat im Topf rasch. Wählen Sie ein ausreichend großes Gefäß mit Abzugslöchern und ein durchlässiges, humusreiches Substrat. Himbeeren vertragen keine Staunässe an den Wurzeln, eine gute Drainage ist daher ebenso wichtig wie regelmäßiges Gießen während der Fruchtbildung.
Bei Sorten mit durchschnittlicher Winterhärte ist es sicherer, die Gefäße über den Winter in einen kühlen, aber frostfreien Raum zu stellen oder zumindest den Wurzelballen einzupacken und zu schützen – im Topf ist das Wurzelwerk dem Frost von allen Seiten ausgesetzt und nicht nur von oben wie bei einer Pflanzung ins Freiland.
Hinweis: sortenschutzrechtlich geschützte Sorten
Alle vier hier beschriebenen Sorten sind durch Sortenschutzrechte (PBR) geschützt. Das bedeutet, dass ihre vegetative Vermehrung, ihr Weiterverkauf oder die Weitergabe von Pflanzen ohne Lizenz untersagt sind. Für den Hausgarten ist das kein Hindernis – Anbau und Verzehr der Ernte sind selbstverständlich uneingeschränkt möglich – die Pflanzen müssen jedoch aus lizenzierten Quellen bezogen werden.
Der Schnitt ist bei diesen Sorten einfacher als bei klassischen Himbeeren. Bei den einmaltragenden Sorten – 'Ruby Beauty®', 'Groovy®' und 'Raspberry Tower' – werden die abgetragenen Ruten nach der Ernte oder am Ende des Winters bodennah entfernt, und die Jungruten bleiben für die nächste Ernte stehen. Bei der zweimal tragenden 'Selena' hängt es davon ab, ob Sie eine kräftige Sommerernte oder zwei aufeinanderfolgende Ernten wünschen.
Allen vier Sorten ist gemeinsam, dass sie weder ein Drahtgerüst noch ein Anbinden benötigen. Das ist die größte Veränderung überhaupt, denn bis vor Kurzem war eine Stützkonstruktion ein praktisch unverzichtbarer Bestandteil jeder Himbeerpflanzung.
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Himbeeren für den Topf und für die Plantage
Zwergwüchsige, stachellose und baumförmige Himbeersorten finden Sie in unserem Sortiment – jeweils mit genauen Angaben zu Wuchs, Reifezeit und Winterhärte. Wählen Sie die Sorte, die genau dorthin passt, wo Sie sie haben möchten.
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